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Gold- und Silberschmiedekunst

Vortrag von Dr. Carmen Roll und Martin Ziegelmayr

Trotz des verlockenden sonnigen Wochenend-Ausflugswetters waren am Samstagnachmittag, dem 31. Mai 2008, eine ganze Reihe Interessierter zum Vortrag über Gold- und Silberschmiedekunst ins Mutterhaus Maria Stern gekommen.

Zunächst legte Frau Dr. Carmen Roll dar, welche Faszination Gold im Lauf der Geschichte immer wieder auf die Menschen ausübte. Nicht nur seine Seltenheit mache es so wertvoll, sondern auch seine Beständigkeit, Farbigkeit, sein Glanz, seine Dauerhaftigkeit. Aus Gold wurden keine Alltagsgegenstände hergestellt, sondern es war im Besitz von Priestern, Königen, Adeligen und hohen Beamten. Insignien der Macht waren aus Gold gefertigt. Gold wurde immer in Schatzkammern aufbewahrt. Gold übt eine magische Faszination aus. Es besitzt den Glanz der Unzerstörbarkeit und ist so ein Zeichen für die Ewigkeit. In frühen Kulturen ist es demnach häufig im Totenkult zu finden.
Nicht zuletzt steht Gold für das Göttliche. Es bedeutet Leben und ist Symbol für die Sonne. Die Sonne wurde im Christentum Zeichen für den gegenwärtigen und den wiederkehrenden Christus. Monstranzen wurden fast immer in Sonnenform aus Gold gefertigt, ebenso sind die Radfenster in den mittelalterlichen Kirchen und die auf Goldgrund gestalteten Mosaiken Hinweis auf Christus und das neue Jerusalem. Auch für die liturgischen Geräte wie Kelch und Patene wird Gold verwendet und auch für Reliquiare.
Die Bearbeitung des Goldes erfordert beachtliche Handwerkskunst, die sich in der Gold- und Silberschmiedekunst in Augsburg zur Höchstform entwickelte, zunächst im Herrschaftsbereich des Bischofs, später als bürgerliches Handwerk. In der „Hochzeit“ des Gold- und Silberschmiedehandwerks gab es in Augsburg 175 Goldschmiedemeister mit einem Stab von meist mindestens fünf Angestellten, sodass man annehmen kann, dass in Augsburg etwa 1000 Menschen im Gold- und Silberschmiedehandwerk beschäftigt waren.

In einem zweiten Teil berichtete der Goldschmiedemeister Martin Ziegelmayr über die Werkstoffe Gold und Silber und ihre Bearbeitung. Er stellte dabei klar, dass die Bezeichnung Gold- oder Silberschmied nichts mit dem Material zu tun hat, sondern sich auf das Produkt beziehe. Der Goldschmied befasse sich mit der Herstellung von Schmuck, der Silberschmied mit der Erzeugung von Geräten. Er erstaunte die Zuhörer mit einigen Techniken aus seiner Arbeit als Goldschmied. Es war faszinierend, die verschiedenen Arbeitsschritte kennen zu lernen oder zu erfahren, was eine Legierung ist, was es mit Feuervergoldung oder galvanischer Vergoldung und mit den verschiedenen Ziffern auf Gold- und Silbergegenständen auf sich hat oder auch, dass man z. B. mit einem Gramm Feingold einen drei Kilometer langen Draht ziehen kann.
Herr Ziegelmayr hatte auch ein Vortragskreuz mitgebracht, in dessen Stange er selbst den Hebräerbrief in griechischen Buchstaben eingraviert hatte, ein wunderbares Zeugnis zeitgenössischer Augsburger Goldschmiedearbeit!