Frauen von Maria Stern - Anna Krölin

12

In ihrem Vortrag über die „Frauen von Maria Stern“ am 12. Juni 2008 stellte Frau Martina Stocker den zahlreichen interessierten Zuhörerinnen – für die männlichen Fußballfans war der Termin wohl recht ungünstig – Frauen von Maria Stern vor, insbesondere die als zweite Gründerin bezeichnete Anna Krölin.

Töchter aus hoch angesehenen Augsburger Familien seien es zunächst gewesen, die ursprünglich in einer Sammlung von Beginen, nach 1315 in einer franziskanisch ausgerichteten, demokratisch strukturierten Gemeinschaft ein religiöses Leben führen wollten. Finanziell seien sie insoweit unabhängig gewesen, da sie sowohl von der eingebrachten Mitgift wie auch durch ihrer eigenen Hände Arbeit ihren Lebensunterhalt bestritten. Es war bekannt, dass man „im Stern“ Paramente, Altartücher und Fahnen fertigte, Quittenstückchen und „Stern-Leckerle“, ja sogar Arzneimittel herstellte, wobei natürlich Gottesdienst und Gebet immer an erster Stelle standen.

12

Die Reformation sei mit der „Dynamik einer Naturkatastrophe“ über Augsburg gekommen, meinte die Referentin, „die unterschiedlichen Ansichten der verschiedenen Konfessionen waren nicht selten eine Frage von Leben und Tod.“
Sie schilderte sehr lebhaft die Situation der Gottesdienste in der Barfüßerkirche zur Zeit des Bildersturms und die Not der Schwestern, die ohne seelsorgliche Betreuung waren, als die Barfüßerkirche 1536 endgültig evangelisch wurde, jegliche Art von katholischer religiöser Übung bei Lebensstrafe untersagt war, einige Schwestern das Kloster verließen und auch die Einkünfte aus den Klostergütern ausblieben. Doch die Sternfrauen blieben als einziger Konvent in der Stadt, während alle anderen zumindest vorübergehend die Stadt verließen oder sich auflösten.

Alle diese Schwierigkeiten hielten aber eine junge Frau nicht davon ab, sich einem Konvent von fünf alten Schwestern anzuschließen.
Frau Stocker zeichnete sehr anschaulich den Lebenslauf von Anna Krölin nach, die ihrer Meinung nach wohl aus der „hauchdünnen katholischen Patrizierschicht“ stammte und sie versuchte mit gängigen modernen Begriffen ihr Lebenswerk als spätere Meisterin darzustellen:
• Vernetzung: Sie band das Kloster wieder in die Straßburger Minoritenprovinz ein.
• Sponsoren-Akquise: Sie mobilisierte die Augsburger Oberschicht, die im Zuge der Gegenreformation wieder an Gewicht gewonnen hatte, das Kloster auch finanziell zu unterstützen
• Innere und äußere Erneuerung: Sie führte als sichtbares Zeichen ein neues Siegel ein und bemühte sich um die Aufnahme von Novizinnen, wobei sie einmal auch sehr geschickt das Verbot der Stadt umging. Sie schickte zwei Schwestern nach Kaufbeuren, damit sie dort den Chorgesang und die Chorordnung des großen Marianischen Offiziums erlernten. Ihr nach außen hin bedeutendstes Werk war aber der Bau einer eigenen Kirche, deren Baumeister Johannes Holl, Vater des Elias Holl, in Augsburg einen Namen hatte.

12

Frau Stocker schloss mit der Feststellung: „Sie hinterließ ein wohl bestelltes, schuldenfreies Haus und ihrer beachtlichen Lebensleistung ist es unbestreitbar zu verdanken, dass Maria Stern bis heute existiert.“

Alles in allem wurde durch den engagierten Vortrag von Frau Martina Stocker über eine große, starke Persönlichkeit des Sternklosters auch Insidern wieder neu bewusst, welche Dynamik und Kraft Sternfrauen innewohnte, die sich Gott und der Gemeinschaft ganz zur Verfügung gestellt hatten und auch in schwierigen Zeiten nicht resignierten.