"Das Kloster Maria Stern in der Reformationszeit"

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Der Kapitalsaal im Mutterhaus Maria Stern hatte sich mit zahlreichen Gästen und Schwestern gefüllt, als Dr. Herbert Immenkötter, Professor für Kirchengeschichte i. R., im Rahmen des Jubiläumsjahres über die Zeit der Reformation in Augsburg und ihre Auswirkung auf das Kloster Maria Stern sprach.
Generaloberin Sr. M. Theophila begrüßte den Referenten, der im Kloster Maria Stern kein Unbekanntern ist, hat er doch für seinen Beitrag zur Festschrift „Über die Geschichte des Klosters Maria Stern in Augsburg“ immer wieder im Klosterarchiv recherchiert.

Mit großem Engagement und sehr anschaulich berichtete Prof. Immenkötter von einer Zeit, in der Augsburg immer wieder einmal im Blickpunkt der Geschichte stand, u. a. als Martin Luther von Maximilian I. 1518 auf den Reichstag nach Augsburg geladen wurde. Es war eine Zeit, in der die herkömmliche Frömmigkeit total in Frage gestellt und in allen Kirchen Augsburgs die neue Lehre verkündet wurde. Das hatte auch gravierende Auswirkungen auf das Kloster Maria Stern. Besonders schwerwiegend war für die Schwestern vom Stern, dass sie ihre geistliche Heimat bei den Barfüßern verloren, wo sie fast 300 Jahre lang die Gottesdienste besuchten hatten, seelsorglich betreut worden waren und auch ihre letzte Ruhestätte gefunden hatten.
Es war vor allem die Lehre Zwinglis, die wortgewaltige Prediger wie Johannes Schilling und Michael Keller in der Barfüßerkirche verkündeten. Dabei ging es nicht nur um das Eucharistieverständnis, das stark von der Lehre der römischen Kirche abwich, aber auch von der Lehre Luthers. Als „Narreteien“ wurden z. B. von Michael Keller auch die Stiftung von Messen, Jahrtage, „Ewiggelder“, Altäre, Kapellen, Stifte und Klöster bezeichnet. Auch der Bilder- und Reliquienkult galt als äußerst verwerflich.
Allen Bemühungen zum Trotz, die Schwestern zum neuen Glauben zu bekehren, und trotz der Lage zwischen zwei Zentren des Protestantismus, dem Barfüßerkloster und St. Anna, hielten die Schwestern vom Stern mehrheitlich an ihrem Glauben fest und weigerten sich auch ungeachtet des ständigen Drucks des städtischen Magistrats beharrlich, ihr Kloster zu verlassen.
Was gab ihnen den Mut und die Kraft, so standhaft zu bleiben? War es ihr starker Glaube, ihre Hartnäckigkeit oder vielleicht der Schutz einflussreicher Verwandter? Die Frage kann wohl nie ganz geklärt werden, meinte Prof. Immenkötter, da geschichtliche Zeugnisse dafür fehlen. Er erinnerte daran, dass sich im Sternkloster Schwestern aus bekannten Familien Augsburgs befanden wie der Fugger, Rembold, Mayr, Ploss, Frölich u. a. und dies evtl. eine Erklärung sein könnte, dass die Frauen vom Stern ohne Unterbrechung in der Stadt blieben. Sicher ist jedenfalls, dass zwischen 1534 und 1537 alle Klöster in Augsburg außer dem Sternkloster geschlossen wurden und alle Mönche und Nonnen außer den Frauen vom Stern zeitweise oder für immer die Stadt verließen.

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In dieser Zeit ragte eine Persönlichkeit im Sternkloster besonders heraus: Priska Mayrin, eine starke und mutige Frau, der – so die Chronik – das „Kloster zu danken hat, dass es im katholischen Glauben und im heiligen Orden verblieben ist.“ Doch es gab auch andere: Helene Fuggerin vom Reh z. B. hing der Lehre Zwinglis an und es ist überliefert, dass sie eigenhändig mehrere „Heiltümer“ unwiederbringlich in den Lech warf. Trotzdem blieb sie zeitlebens im Kloster. Dass niemand recht wusste, welchem Glauben sie nun wirklich anhing, erfahren wir von der Chronistin, die sich nicht sicher war, ob die Fuggerin „in Gottes Gnaden oder ganz lutherisch“ gestorben sei. In diesem Zusammenhang erläuterte der Referent, welchen Hintergrund der Bildersturm hatte: Obwohl Luther, im Gegensatz zu Zwingli, die Bilder in den Kirchen nicht verdammte, meinte er doch, dass dem Wort mehr zu trauen sei als dem Bild, weil Bilder nicht dazu taugen, das Wesentliche darzustellen. Die Reformatoren waren überzeugt, dass Bilder den Betrachter nicht zur Erkenntnis Gottes führen könnten.

Aus einem Brief des späteren Augsburger Dompredigers Petrus Canisius erfahren wir, dass Augsburg um 1537 zu 90 % evangelisch war. Die Schwestern vom Stern, - es waren zuletzt nur noch fünf alte Schwestern -, die zu den Gottesdiensten in den Dom gingen, wurden häufig auf dem Weg angepöbelt. Als deshalb die junge Anna Krölin 1563 ins Kloster eintrat und schon 1569 zur Meisterin gewählt wurde, hatte sie Großes vor: So fasste die tatkräftige Frau den Entschluss, eine eigene Kirche zu bauen, die Konventgebäude zu erneuern, den Anschluss an die franziskanische Gemeinschaft neu zu knüpfen und im Konvent die von der Kirche vorgesehenen Neuerungen einzuführen. Für den Kirchenbau konnte sie den angesehenen Baumeister der Fugger Johannes Holl gewinnen, dessen Sohn Jonas, der ältere Halbbruder des berühmten Elias Holl, für das achteckige Türmchen die „Urzwiebel“ entwarf, so der Referent. 1576 wurde die Kirche vollendet, 1573 war dem Konvent von Domkaplan Matheiß Widemann ein Fingerreliquiar der heiligen Elisabeth vermacht worden, das Prof. Immenkötter ein äußeres Symbol innerer Gesundung nannte. Bei Anna Krölins Tod 1588 war der Konvent neu gefestigt und der Straßburger Franziskaner-Konventualen-Provinz eingegliedert, hatten die Schwestern ein eigenes Gotteshaus und restaurierte Klostergebäude und auch ihre Werbung um Klosternachwuchs war erfolgreich. Zu Recht, meinte Prof. Immenkötter, wird deshalb Anna Krölin die zweite Gründerin des Sternklosters genannt.